Ein gutes abstraktes Werk erkennen Sie an vier Dingen: Es hält den Blick auch beim dritten Hinsehen, hat eine echte, handgesetzte Oberfläche, wirkt wie ein stimmiges Ganzes und löst beim Davorstehen etwas aus. Kaufen Sie möglichst direkt beim Künstler, mit Signatur und Echtheitszertifikat, und wählen Sie Größe und Farbwelt passend zum Raum.
Kaum eine Kunstform spaltet so wie die abstrakte. Die einen stehen vor einem Werk und spüren sofort etwas, eine Stimmung, eine Tiefe, die sich nicht in Worte fassen lässt. Die anderen sehen Farbe auf Leinwand und denken, das könnte ich auch.
Beide Reaktionen sind verständlich. Denn anders als bei einem gegenständlichen Bild gibt es bei der Abstraktion keinen offensichtlichen Maßstab. Kein Motiv, das man wiedererkennt, keine Ähnlichkeit, an der man die Qualität festmachen könnte. Das macht es schwer zu sagen, was ein gutes Werk von einem beliebigen unterscheidet. Schwer, aber nicht unmöglich.
Warum abstrakte Kunst polarisiert
Der Reflex, abstrakte Kunst für beliebig zu halten, hat einen nachvollziehbaren Kern. Es gibt tatsächlich beliebige abstrakte Kunst, viel davon sogar. Massenware, die in Möbelhäusern hängt, dekorative Farbflächen ohne innere Notwendigkeit.
Aber daraus zu schließen, dass alle Abstraktion beliebig sei, ist ein Trugschluss. Es gibt auch schlechte gegenständliche Malerei, ohne dass jemand deshalb das Gegenständliche verwirft. Die Frage ist nicht, ob ein Werk abstrakt ist, sondern ob es gut gemacht ist. Und das lässt sich beurteilen.
Gut oder beliebig: der Unterschied
Der Unterschied zwischen einem guten abstrakten Werk und einer beliebigen Farbfläche liegt in der inneren Notwendigkeit. Bei einem guten Werk hat jede Entscheidung einen Grund. Die Farbe, die Komposition, die Dichte der Struktur, die Stelle, an der etwas dunkler wird, das alles trägt zur Wirkung bei und ließe sich nicht beliebig austauschen.
Das heißt nicht, dass der Künstler jeden Schritt durchgeplant hat. Vieles in der Abstraktion entsteht im Tun, im Reagieren auf das, was schon auf der Leinwand ist. Aber das Ergebnis hat eine Stimmigkeit, die man spürt, auch wenn man sie nicht erklären kann. Es wirkt wie aus einem Guss, nicht wie zusammengewürfelt.
Diese Stimmigkeit ist es, die das Auge hält. Die Wahrnehmungsforschung kennt das Phänomen der Verarbeitungsflüssigkeit: Bilder, die das Gehirn als stimmig und gut organisiert verarbeitet, erleben wir als angenehmer. Ein gutes abstraktes Werk ist nicht chaotisch, sondern besitzt eine Ordnung, die das Auge mühelos aufnimmt.
Reber, R., Schwarz, N. & Winkielman, P. (2004). Processing Fluency and Aesthetic Pleasure: Is Beauty in the Perceiver's Processing Experience? Personality and Social Psychology Review, 8(4), 364-382.Vier Kriterien für ein gutes Werk
Wer abstrakte Kunst kaufen möchte, kann sich an einigen Fragen orientieren, die über den ersten Eindruck hinausgehen.
Erstens, die Tiefe. Hält das Werk den Blick länger als ein paar Sekunden? Entdeckt man beim zweiten und dritten Hinsehen Neues, oder ist nach einem Blick alles gesagt? Gute Werke erschöpfen sich nicht.
Zweitens, die Struktur. Hat die Oberfläche eine eigene Materialität, die das Licht bricht und sich mit der Tageszeit verändert? Eine echte, handgesetzte Struktur unterscheidet ein Werk grundlegend von einer glatten, beliebigen Fläche.
Drittens, die Stimmigkeit. Wirkt das Werk wie ein Ganzes, in dem jeder Teil seinen Platz hat, oder wie eine Ansammlung von Effekten? Ein gutes Werk fühlt sich notwendig an.
Viertens, die Wirkung auf den eigenen Körper. Was passiert, wenn man davorsteht? Entspannt sich etwas, oder bleibt man unberührt? Diese körperliche Reaktion ist ehrlicher als jedes Urteil über Stil oder Trend. Ein Werk wie Schwarz etwa lebt von der Spannung zwischen tiefer Fläche und feiner Struktur.
Warum das Original mehr ist als ein Druck
Eine Frage, die sich beim Kauf fast immer stellt, ist die nach Original oder Druck. Der Preisunterschied ist erheblich, und auf den ersten Blick scheint der Druck das gleiche Motiv für weniger Geld zu liefern. Doch die beiden sind nicht dasselbe.
Ein Original trägt eine Tiefe an Information, die ein Druck nicht hat. Die Oberfläche bricht das Licht je nach Blickwinkel anders, die Struktur erzeugt winzige Schatten, die sich über den Tag verändern. Die Neurowissenschaft beschreibt, dass das Gehirn auf informationsreiche, vieldeutige Reize stärker mit Wohlgefühl reagiert als auf flache, schnell erschöpfte.
Biederman, I. & Vessel, E. A. (2006). Perceptual Pleasure and the Brain. American Scientist, 94(3), 247-253.Das ist kein Argument gegen Drucke an sich. Es ist eine Erklärung dafür, warum ein Original in einem Raum, den man täglich sieht, über Jahre interessant bleibt, während ein Druck oft schon nach Wochen visuell verschwindet. Wer ein Werk fürs Leben sucht, kauft die Tiefe, nicht nur das Motiv.
Studio Visus entwickelt handgemalte abstrakte Originalkunst auf Basis neuroästhetischer Prinzipien, direkt aus dem Atelier in Hamburg-Lokstedt.
Werke entdecken →Worauf man beim Kauf achten sollte
Beim konkreten Kauf helfen ein paar nüchterne Punkte. Man sollte das Werk möglichst in echt sehen, nicht nur auf dem Bildschirm, denn gerade die Struktur und die Lichtwirkung lassen sich auf einem Foto kaum beurteilen. Wo das nicht möglich ist, helfen Detailaufnahmen der Oberfläche.
Man sollte nach der Technik und den Materialien fragen. Welche Farben wurden verwendet, wie ist die Leinwand aufgebaut, wie haltbar ist das Werk? Ein seriöser Künstler gibt darüber bereitwillig Auskunft.
Und man sollte dem eigenen Eindruck trauen. Ein Werk, das einen über Tage nicht loslässt, ist die bessere Wahl als eines, das nur gut zur Couch passt. Kunst, die man kauft, weil sie zur Einrichtung passt, wird selten geliebt. Kunst, die man kauft, weil sie einen berührt, fast immer.
Das Werk und der Raum
Ein letzter Gedanke betrifft das Verhältnis von Werk und Raum. Ein gutes abstraktes Bild muss nicht zur Wandfarbe passen wie ein Kissen zum Sofa. Es darf einen Akzent setzen, einen Kontrast, einen Punkt, an dem das Auge zur Ruhe kommt.
Wichtiger als die farbliche Abstimmung ist die Wirkung im Raum. In einem ruhigen Raum kann ein Werk Tiefe und Konzentration geben. In einem lebendigen Raum kann es einen Ankerpunkt schaffen. Die Frage ist nicht, ob das Bild zur Einrichtung passt, sondern was es mit dem Raum macht.
Wenn kein fertiges Werk passt, lässt sich ein Bild auch malen lassen. Der Ratgeber erklärt, was es kostet, ein Bild malen zu lassen, und wie ein Auftrag abläuft. Woran Sie ein Original von einem Druck unterscheiden, erklärt der Beitrag Original oder Kunstdruck. Wie verschiedene Formate an einer Wand wirken, zeigt die Online-Galerie im Größenvergleich. Für einzelne Räume helfen die Beiträge Bilder, die beruhigen, Bilder fürs Schlafzimmer und Kunst am Arbeitsplatz. Wer die Bilder bei Studio Visus malt, steht auf Über Studio Visus.
Fazit
Abstrakte Kunst ist nicht beliebig, auch wenn beliebige abstrakte Kunst existiert. Ein gutes Werk erkennt man an seiner Tiefe, seiner Struktur, seiner Stimmigkeit und an dem, was es im eigenen Körper auslöst. Diese Kriterien sind kein Geheimwissen, sie lassen sich üben.
Wer mit diesem Blick kauft, kauft kein Dekorationsstück, sondern ein Werk, das über Jahre Teil des eigenen Lebens wird. Und merkt schnell, dass der Unterschied zwischen gut und beliebig sehr real ist, sobald man ihn einmal gesehen hat.
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Hinweis: Studio Visus ist ein Atelier und kein medizinisches oder therapeutisches Angebot. Die Beiträge fassen Forschung zur Wirkung von Räumen und Bildern zusammen. Kunst kann einen Raum angenehmer machen, eine Behandlung ersetzt sie nicht.